Lavendelblau Homunculus Ludens

Der 60-jährige Weg zur Tat

Hendrika Ruthenberg hat mit ihrer Geschichte Lavendelblau den Northeimer Krimi-Wettbewerb gewonnen

Northeim. Das Unheil beginnt mit einem lavendelblauen Brief aus Büttenpapier. Er ist eine Nachricht aus der Vergangenheit eines Northeimer Zahnarztes im Ruhestand, die sein Schicksal besiegelt...

Die Geschichte Lavendelblau stammt aus der Feder von Hendrika Ruthenberg. Mit ihr hat die 25-jährige Berlinerin den Northeimer Krimi-Wettbewerb gewonnen. Ihre und acht weitere Wettbewerbsbeiträge anderer Hobby-Autoren erscheinen heute unter dem Titel „Tatort Northeim” als Buch.

„Die Stadt ist mir vertraut und ans Herz gewachsen” sagt Ruthenberg über Northeim. Sie widerspricht dem Klischee vom störrischen Südniedersachsen zwar nicht. Aber, so betont sie, die Menschen seien herzlich. Diese Kombination gefalle ihr. „Das passt zu mir”, sagt sie.

Ihre Mutter, Gabriele Kahn, ist in Northeim aufgewachsen und lebt jetzt wieder hier. Sie selbst hat nach dem Abitur vor sechs Jahren am Theater der Nacht ein einjähriges Praktikum absolviert.

Schreiben stand bisher nicht im Mittelpunkt ihres Schaffens. Doch das könnte sich ändern. „Ich sollte mich mehr damit befassen”, sagt sie. Denn schon einmal, zu Schulzeiten, hat sie an einem Schreibwettbewerb teilgenommen und gewonnen.



Der 60-jährige Weg zur Tat - Hendrika Ruthenberg hat mit ihrer Geschichte Lavendelblau den Northeim Krimi-Wettbewerb gewonnen. Foto: Vassiliadis/nh
Hat sich einfühlsam in die Gedankenwelt eines alten Menschen hineinversetzt: Hendrika Ruthenberg, die Gewinnerin des Northeimer Krimi-Wettbewerbs. Foto: Vassiliadis/nh



Gedankenwelt des Täters

Lavendelblau sticht aus den allesamt gut geschriebenen neun Krimis heraus, die es nach dem Urteil der Jury aus den insgesamt 60 eingereichten Wettbewerbsbeiträgen in das Buch geschafft haben. Denn Ruthenberg hat nicht die klassische Kriminalgeschichte geschrieben, in der ein Verbrechen geschiet und sich die Story um die Aufklärung dreht.

Ihre Geschichte stellt die Gefühls- und Gedankenwelt des Täters in den Mittelpunkt, die zur Tat führt. Die Wurzel des Motivs liegt in der Zeit des Zweiten Weltkriegs.

Dass ihre Heldin dabei der Generation ihrer Großeltern entstammt, ist für Ruthenberg nicht erstaunlich. „Ich bin es gewohnt, mich in Rollen zu versetzen”, sagt die 25-Jährige, die an der Berliner Hochschule für Schauspielkunst Ernst Busch Puppenspiel studiert hat. Außerdem habe sie immer einen guten Kontakt zu ihrer Großmutter und der ihres Mannes gehabt und dabei vieles aufgeschnappt, was deren Leben geprägt hat.

„Ich sammele Geschichten”

Die Beobachtungsgabe nutzt sie auch sonst. „Ich sammele Geschichten, die ich für die Bühne gebrauchen kann”, erklärt die Autorin, die sich selbst als darstellende Künstlerin beschreibt. Zum Puppenspiel kam sie, weil es die darstellenden und die bildenden Künste miteinander verbindet. Seit einem Jahr ist sie freiberuflich tätig, unter anderem auch im Theater der Nacht. Am Northeimer Gymnasium Corvinianum hat sie eine Theater-AG und einen Kurs in Maskenbau angeboten.

Familienwettstreit

Der Northeimer Krimi-Wettbewerb war für sie auch ein Familienwettstreit, denn auch ihre Mutter, ihr Onkel und eine Kusine haben teilgenommen.

In der Reihe der Gewinner hat sie es dabei nicht alleine geschafft. Auch ihre Mutter ist mit ihrem Krimi im Buch vertreten. Gegenseitige Hilfen gab es aber nicht. Auch haben die Familienmitglieder ihre Geschichten für den Wettbewerb wechselseitig erst gelesen, nachdem die Krimis eingereicht waren. Ruthenberg: „Wir wollten es ja spannend lassen.”


Tatort Northeim
Das Buch Tatort Northeim (ISBN 978-3-94346500-6), herausgegeben von der Buchhandlung Grimpe, hat 210 Seiten. Es kostet zwölf Euro. Es ist im Buchhandel erhältlich. Erstverkaufstag ist Samstag, 3. Dezember.



- HNA: „Der 60-jährige Weg zur Tat” - 03.12.2011 - Olaf Weiss