Die Schneekönigin Homunculus Ludens

Hendrika Ruthenberg aus Höckelheim begeistert im Theater der Nacht mit erstem Auftritt

Premiere mit Zugaben

Northeim. „Papa, ist jetzt Pause?” fragte ein kleines Mädchen laut, als das Licht im Northeimer Theater der Nacht nach einer knappen Stunde wieder anging. Nein, da war die zauberhafte Inszenierung von Hans Christian Andersens Märchen „Die Schneekönigin” leider schon zu Ende.



Eisiges Schloss: Puppenspielerin Hendrika Ruthenberg mit der erbarmungslosen Schneekönigin, dem leichtsinnigen Kay und der tapferen Gerda. Foto: Eriksen
Eisiges Schloss: Puppenspielerin Hendrika Ruthenberg mit der erbarmungslosen Schneekönigin, dem leichtsinnigen Kay und der tapferen Gerda. Foto: Eriksen



Es war eine doppelte Premiere, erstens der Inszenierung und zweitens des Puppentheaters Homunculus Ludens aus Höckelheim und der Puppenspielerin Hendrika Ruthenberg. Ihr erstes Stück nach der Ausbildung begeisterte und amüsierte das altersmäßig gut durchmischte Publikum in der ausverkauften Premiere. Hervorzuheben sind der Sprachwitz, die gekonnte Puppenführung, die treffenden Stimmen, die ohne Instrumental-Begleitung gesungenen Lieder und die stimmige Schauspielkunst. Oft erzielte Ruthenberg nur mit einem kurzen Blick oder einer kleinen Geste (von ihr selbst oder einer der Puppen) einen witzigen Effekt. Natürlich war bei aller Heiterkeit auch viel Raum für den ernsten Hintersinn im dänischen Märchen: Die Bedeutung von Freundschaft, Mut und Durchhaltevermögen. Der Junge Kay hat sich von der eisig-schönen Schneekönigin verblenden und entführen lassen. Seine mutige Spielkameradin Gerda lässt sich von allen möglichen Widrigkeiten, Hexen und Räuberinnen nicht davon abhalten, ihn zu suchen. Als sie ihn schließlich im glitzernden Eispalast der Entführerin findet, versucht Kay gerade ohne Erfolg, aus einem Eispuzzle das Wort „Ewigkeit” zusammenzufügen, und erkennt seine Freundin nicht. Die heißen Tränen von Gerda lassen aber sein erkaltetes Herz und den Eissplitter in seinem Auge schmelzen.

Regie-Einfälle

Die Regie von Stefan Spitzer zeichnete sich durch überraschende Einfälle aus, zum Beispiel wie sich das Boot auf dem reißenden Fluss fortbewegte. Für die Bühnenbauten - besonders schön die Garteninsel und der Eispalast - war Jonas Ruthenberg verantwortlich. Wie scharf die Kanten dieses Schlosses waren, erfuhr schmerzhaft die Puppenspielerin bei der Generalprobe, als sie sich das Kinn an einer Spitze anritzte. Auch die Premiere verlief nicht ganz pannenfrei. Die Räuberin verlor, als sie mit ihrer Tochter um Gerda kämpfte, den Kopf - im wahrsten Sinne des Wortes. Die gewitzte Schauspielerin rief schlagfertig aus: „Ich brauche einen Arzt!” Alles lachte, und erst im Gespräch hinterher wurde klar, dass dieser Gag gar nicht vorgesehen war. „Viel schlimmer war es in der Generalprobe - da hat Gerda einen Fuß verloren und musste den Rest der Zeit humpeln”, verriet lachend die sympathische frisch gebackene Diplom-Puppenspielerin, die auch die Puppen selbst gebaut hat. Im ersten Halbjahr 2011 kann man die „Schneekönigin”, die ab sechs Jahren geeignet ist, noch einmal im Theater der Nacht erleben, und zwar am 26. Februar.

- HNA: „Hendrika Ruthenberg aus Höckelheim begeistert im Theater der Nacht mit erstem Auftritt - Premiere mit Zugaben” - 31.01.2011 - Eriksen